Deutsche Automobilbranche leistet Pionierarbeit

Industrie 4.0 in der Automobilproduktion

Industrie 4.0 - die Etablierung des "Internets der Dinge" in der Produktion - ist eine Aufgabe, der sich so gut wie alle Unternehmen in den kommenden Jahren stellen müssen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben möchten. In der Automobilbranche ist Industrie 4.0 bereits heute Realität. Der Innovationsdruck der Kunden und des Marktes erweist sich hier als ausgesprochen produktiv.

Vor wenigen Wochen hat McKinsey eine Studie zum Stand der Implementierung von Industrie 4.0 in deutschen, US-amerikanischen und japanischen Unternehmen vorgelegt. Die Ergebnisse sind zum Teil ernüchternd. 44 Prozent der befragten Firmen haben im vergangenen Jahr in dieser Hinsicht keinerlei Fortschritte gemacht. Nur jedes zehnte Unternehmen hat entsprechende Projekte tatsächlich in die Praxis überführt. Die deutschen Automobilhersteller dürften hier einen Spitzenplatz belegen.

Industrie 4.0 - Gesamte Wertschöpfungskette in der Autoproduktion

Daimler Benz entwickelt in seiner "Smart Factory" seine eigenen Konzepte und Produktionsmethoden der Industrie 4.0 - viele Anwendungen haben es bereits in die Serienproduktion geschafft.

Marcus Schäfer - Vorstand für Produktion und Supply Chain Management der Daimler AG - definiert Industrie 4.0 als die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette in der Autoindustrie. Sie umfasst somit nicht nur Konstruktion und Produktion, sondern auch Vertrieb und Kundendienst. Auch die produzierten Autos selbst sind Zeugnisse des digitalen Wandels.

Spagat zwischen Komplexität und Individualisierung 

Bei BMW sehen Gegenwart und Zukunftsperspektiven der Industrie 4.0 nicht viel anders aus. Am Band stehen in den BMW-Werken schon längst nicht mehr nur menschliche  Mitarbeiter, sondern auch kollaborierende Roboter, die in der Lage sind, eigenständig auf Montageanforderungen zu reagieren.

BMW-Digitalisierungschef Dr. Christian Patron hebt einige wesentliche Punkte hervor, die sich durch die Industrie 4.0 geändert haben. Schlanke Produktionsprozesse waren ursprünglich der entscheidende Wettbewerbsvorteil in der Branche - vor allem die japanischen Autohersteller hatten es darin zur Perfektion gebracht. Heute geht es dagegen darum, bei höchster Produktqualität den "Spagat zwischen Komplexität und Individualisierung" zu meistern. BMW habe diese Anforderung - eine der Charakteristika der Industrie 4.0 - bei seinen Produkten bereits umgesetzt. Zumindest im Premiumsegment sei BMW auch in der Lage, die "viel beschworene Losgröße 1" zu liefern.

Der Markt "fordert" Industrie 4.0 

Nicht nur BMW, sondern die deutschen Autobauer insgesamt haben durch den Trend zur Industrie 4.0 im Hinblick auf ihre Innovationskraft wieder an Terrain gewonnen. Die treibenden Kräfte hierfür sind einerseits die technologischen Möglichkeiten der digitalen Ära, vor allem aber der Markt und die Bedürfnisse potentieller Kunden. Die Nachfrage nach Fahrzeugen und neuen Mobilitätskonzepten wächst derzeit in globalem Maßstab.

Gleichzeitig sind die Kunden in ihren Wünschen nach Individualisierung über Technologie den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen fast schon ein Stück voraus. Zudem werden die Innovationszyklen auch aufgrund der Kundenanforderungen immer kürzer. Ohne Industrie 4.0 sind nicht nur die technologischen, sondern auch die ökonomischen Herausforderungen, die damit verbunden sind, von den Autokonzernen nicht zu stemmen.

Das aktuellste Thema für die Branche: Autonomes Fahren 

Die Zeiten, in denen für das Gros der Autokäufer Preis und Design des Fahrzeugs ausschlaggebend für ihre Kaufentscheidung waren, sind seit längerem vorbei. Entscheidend für den Erfolg der Hersteller wird in Zukunft sein, ob sie in der Lage sind, neue Mobilitätskonzepte in einen Massenmarkt zu überführen. Das "Internet der Dinge" ist nicht nur für die Produzenten, sondern auch für ihre Kunden eine der großen Zukunftsfragen. Dass "intelligente Gegenstände" den Alltag künftig immer stärker prägen werden, ist derzeit vor allem im Bereich der Alltagselektronik augenfällig.

Für die Autobauer steht dagegen derzeit das Thema "autonomes Fahren" ganz oben auf der Tagesordnung. Der Internet-Gigant Google hat hier mit seiner Vision eines selbstfahrenden Mini-Autos die Richtung vorgegeben, Apple arbeitet sehr wahrscheinlich an einem ähnlichen Projekt.

Für die Autokonzerne ist die Entwicklung solcher Autos heute ausnahmslos ein Thema. Entsprechende Testwagen sind bereits an mehr als einem Ort im Einsatz. Ursprünglich hatte die Branche als Zeitrahmen für eine breite Markteinführung des autonomen Autos das Jahr 2030 angegeben - heute deutet vieles darauf hin, dass das autonomes Fahren schon zehn Jahre früher zu einer realistischen Option für den mobilen Alltag wird.


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