Berufsbild des Bauingenieurs

Das Berufsbild des Bauingenieurs gab es schon in der Antike - ohne das Wissen versierter Ingenieure gäbe es weder die ägyptischen Pyramiden noch die historischen Bauwerke in Griechenland und Rom. Im europäischen Mittelalter waren Bauingenieure gefragte Experten, in deren Tätigkeit praktische Expertisen, Architektur und künstlerische Aspekte eng verbunden waren.
Moderne Bauingenieure können sich entscheiden, ob sie sich als Spezialisten oder als Allrounder profilieren wollen, auch eine Management-Karriere ist grundsätzlich möglich.

Bauingenieure - mit exzellenten Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Generell gilt: Angehende Bauingenieure haben exzellente Chancen auf dem Arbeitsmarkt, zumal sie einen Studiengang gewählt haben, der nicht zu den "Massenfächern" zählt.
Laut dem Hauptverband der deutschen Bauindustrie e.V. liegt der Einstellungsbedarf der Unternehmen und des öffentlichen Dienstes bei 4.500 Neueinstellungen jährlich, einen Bachelor- oder Masterabschluss als Bauingenieur erwerben pro Jahr jedoch nur etwa 3.000 Absolventen.
Arbeitsmöglichkeiten finden sie in Bauunternehmen, Ingenieurbüros, in der Energiewirtschaft, im Verkehrswesen, im öffentlichen Dienst sowie in Forschung und Lehre. Neben guten Perspektiven können Bauingenieure auch mit attraktiven Gehältern rechnen: Das tarifliche Einstiegsgehalt für einen Bauingenieur mit einem FH-Masterabschluss beträgt derzeit 3.772 Euro in den alten Bundesländern und 3.467 Euro in den neuen Bundesländern. Universitätsabsolventen verdienen anfangs 3.832 respektive 3.448 Euro. Zudem sind auch für Absolventen übertarifliche Gehaltsvereinbarungen eher die Regel.

Was macht ein Bauingenieur?

Bauingenieure prägen mit ihrer Arbeit unsere Lebenswelt. Sie bauen Wohn- und Geschäftsgebäude, die öffentliche Infrastruktur sowie Produktionsanlagen. Durch den technischen Fortschritt haben sich ihre Arbeitsfelder in den vergangenen Jahrzehnten stark erweitert.
Ein Bauingenieur ist heute in komplexen Zusammenhängen tätig, zu seinen Aufgaben gehören Projektmanagement, Planung, Entwicklung und Verwertung. Auch die "Lebenszyklen" eines Bauwerks spielen - sowohl in der Stadtplanung als auch im Rahmen von Rückbaumaßnahmen - dabei eine immer größere Rolle.
Zu den Aufgaben von Bauingenieuren gehören die Planung, Berechnung und Konstruktion von Bauten, die praktische Vorbereitung und Begleitung des gesamten Bauprozesses, die Ergebnisprüfung sowie Instandhaltungsmaßnahmen und - beispielsweise bei Anlagen - die Überwachung des laufenden Betriebs. Immer größere Bedeutung gewinnen in der Arbeit von Bauingenieuren energiewirtschaftliche Aspekte: Moderne Gebäude sollen so energieeffizient wie möglich sein, auch bei Sanierungen spielt Energieeffizienz eine zentrale Rolle. Fundiertes Wissen darüber ist heute für jeden Bauingenieur unverzichtbar.

In welchen Arbeitsbereichen sind Bauingenieure tätig?

Für jeden Bauingenieur kommt es natürlich bereits im Studium darauf an, sein eigenes Profil zu definieren und schwerpunktmäßig zu entwickeln. In einem allgemeinen Überblick kommen hier die folgenden Tätigkeitsbereiche in Frage - zum Teil werden für diese und andere Fachgebiete eigene Masterstudiengänge angeboten:

1. Baubetrieb/Baumanagement 

Bauingenieure, die sich für diesen Weg entscheiden, sind als Projektmanager tätig. Sie kümmern sich darum, dass alle Prozesse und Arbeiten auf einer Baustelle funktionieren, überwachen die Bauausführung und übernehmen für ein Projekt auch die betriebswirtschaftliche Planung.

2. Konstruktiver Ingenieurbau 

In diesen Bereich fallen beispielsweise die statistische Berechnung von Bauten, die Anwendung unterschiedlicher Techniken im Beton-, Stahl- oder Holzbau und die Planung der optimalen Baustoffe. Der Bauingenieur setzt hiermit die Entwürfe von Architekten in praktische Lösungen um. 

3. Wasserbau und Wasserwirtschaft 

Bei Wasserbau-Projekten wird immer ein Bauingenieur mit umfassenden hydrologischen Kenntnissen zugegen sein. Ein weiteres wichtiges Einsatzfeld für Experten mit dieser Spezialisierungsrichtung ist die Wasserwirtschaft. Eine entsprechende Ausbildung wird von den Hochschulen als Masterstudium für Bauingenieure, aber auch als eigenständiger Studiengang mit Bachelor- und Masterprogrammen angeboten.

4. Geotechnik 

Ein Bauingenieur mit einer geotechnischen Spezialisierung ist ein Experte für erdberührende oder unterirdische Bauwerke. Unter anderem kennt er sich in den Bereichen Geomechanik und Bodenstatik auf vertiefte Art und Weise aus.

5. Städtebau

Diese Spezialisierung schließt beispielsweise stadtplanerisches und baukulturelles Wissen sowie den Erwerb soziologischer Kenntnisse ein. In ihrem Arbeitsalltag sind diese  Bauingenieure maßgeblich an der Entwicklung städtischer Infrastrukturen beteiligt.

6. Verkehrswesen

Auch der Verkehrsbereich hat einen großen Bedarf an versierten Bauingenieuren. Sie arbeiten in Eisenbahnverkehrsunternehmen und den entsprechenden  Infrastrukturgesellschaften, bei Verkehrsbetrieben und Behörden, aber auch in Planungsbüros oder bei Consultingfirmen. Ihre Arbeit umfasst je nach Einsatzgebiet und Spezialisierung die gesamte Bandbreite an Tätigkeiten, die für Bauingenieure relevant sind: Planung, Konstruktion und Bau, Instandhaltung und Überwachung des alltäglichen Betriebs.

Unser Bewerbungstipp: Auch die Deutsche Bahn sucht fortlaufend Bauingenieure, was viele Bewerber gar nicht wissen. Das Unternehmen hat fortlaufenden Investitionsbedarf in sein Schienennetz, der in absehbarer Zukunft eher noch größer werden wird. Gleichzeitig ist das Eisenbahnwesen ausgesprochen fachspezifisch, so dass es hier an qualifiziertem Personal und Spezialisten fehlt. Interessierten Bewerbern bietet die Deutsche Bahn daher auch ein duales Studium, dessen Absolventen einen Berufsabschluss als Gleisbauer und einen akademischen Grad als Bauingenieur (Bachelor of Civil Engineering) erwerben.

7. Umwelttechnik

Umwelttechnik ist für Bauingenieure ein Arbeitsfeld der Zukunft, bei dem es darum geht, modernes Bauen und Ressourcenschutz unter einen Hut zu bringen. Dabei geht es sowohl um die umweltgerechte Konstruktion und Ausstattung von Gebäuden als auch um die Schaffung einer öffentlichen Infrastruktur, die aktuellen Umweltanforderungen gerecht wird.

8. Bauinformatik

Die Bauinformatik ist eine Querschnitt-Disziplin, die an der Schnittstelle von IT und Bauingenieurwesen angesiedelt ist. Bei der Planung, Konstruktion und der praktischen Errichtung von Gebäuden, bei Infrastrukturmaßnahmen oder Anlagenkonstruktionen setzen sich digitale Prozesse immer stärker durch. Bauinformatiker sind sowohl in der IT-Welt als auch "auf dem Bau" zu Hause. Ihr Profil entwickeln sie entweder im Rahmen eines entsprechenden Masterstudiums oder mit einem Computation- in-Engeneering-Studium und eine Spezialisierung auf bautechnische/bauwirtschaftliche Fragen.

Persönliche Qualitäten des "perfekten" Bauingenieurs

Bauingenieure müssen in ihrem Tagesgeschäft hohe Anforderungen erfüllen - dabei kommt es nicht nur auf ihre fachliche Qualifikation, sondern auch auf einige persönliche Fähigkeiten und Eigenschaften an. Wichtig sind hier beispielsweise:

  • Hohes Verantwortungsbewusstsein
  • Die Fähigkeit, auch unter Zeitdruck gute Ergebnisse zu bringen - also Nervenstärke und Belastbarkeit
  • Gute Team- und Kommunikationsfähigkeiten
  • Durchsetzungskraft und Charakterstärke - auch vor dem Hintergrund, dass viele Bauingenieure Schnittstellenfunktionen besetzen
  • Strukturierte Arbeitsweise
  • Gutes räumliches Vorstellungsvermögen
  • Eine gewisse körperliche Robustheit, da die Präsenz auf der Baustelle auch bei "Wind und Wetter" nötig ist.

Bei allen Projekten, an denen Bauingenieure arbeiten, steht natürlich deren wirtschaftlicher Erfolg im Vordergrund - gleichzeitig sind dabei oft architektonische Anforderungen und in jedem Fall Sicherheitsbestimmungen einzuhalten.
Den Alltag vieler Bauingenieure prägen sehr "unorthodoxe" Arbeitszeiten. Sie sind viel unterwegs, auf Reisen oder arbeiten für längere Zeit an anderen Orten. Vor allem Bauleiter sowie Bauingenieure, die überwachende Funktionen haben, sind während der Bauphase nahezu durchgängig - also auch abends und am Wochenende - auf der Baustelle anzutreffen. Wer sich für den Beruf des Bauingenieurs entscheidet, kann jedoch mit einem spannenden, anspruchsvollen und sehr abwechslungsreichen Arbeitsleben rechnen.

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Bild: ©Kara – Fotolia.com

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