MBA-Studium für Ingenieure

Viele Ingenieure steigen nach dem Berufsstart recht schnell auf der Karriereleiter auf. Francis Bidault, Professor an der Berliner ESMT (European School of Management and Technology), war schon vor einigen Jahren überzeugt, dass 90 Prozent der Ingenieure in ihren Unternehmen irgendwann Managementfunktionen übernehmen.

Das Problem dabei: Ihre technikorientierte Expertise reicht für die Bewältigung der neuen Aufgaben oft nicht aus. Eine Weiterbildung zum Master of Business Administration macht Ingenieure fit für eine Position im Management und eröffnet für die Karriere neue Perspektiven.

Was ist ein MBA?

Ein MBA ist ein postgraduales Studium Generale, dessen Ziel darin besteht, Kenntnisse in allen wichtigen Managementbereichen zu erwerben. Die Vermittlung von fachspezifischem Wissen spielt dabei, wenn überhaupt, nur in geringem Umfang eine Rolle.

In den USA ist der MBA seit den 1950er Jahren ein Standardabschluss, der angehende Manager für ihre künftigen Aufgaben qualifiziert. In Deutschland gab es seit dem Beginn der 1990er Jahre die ersten MBA-Programme. Im Rahmen des Bologna-Prozesses gewannen sie schrittweise größere Bedeutung.

Die Zielgruppen für eine Weiterbildung zum MBA sind vor allem Natur- und Geisteswissenschaftler, Ingenieure, Juristen oder Mediziner, die sich für eine Managementposition qualifizieren wollen - also Vertreter von Berufen ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund.

Welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es?

Der MBA wurde durch Bologna der zweiten Stufe des europäischen Studiensystems  zugeordnet. Für die Zulassung werden daher in der Regel der Abschluss eines Bachelor- oder Diplomstudiums und oft auch einige Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt.

Für die meisten MBA-Programme ist außerdem das Erreichen einer Mindestpunktzahl in den GMAT (Graduate Management Admission)- und TOEFL-Tests erforderlich. Für Ingenieure dürfte ein MBA direkt nach dem Bachelor jedoch nicht die Regel sein - die meisten von ihnen absolvieren zunächst einen ingenieurwissenschaftlichen Masterstudiengang.

Welches MBA-Programm ist optimal?

MBA-Studiengänge werden inzwischen in großer Anzahl angeboten, nicht immer ist ihr Lehrplan sinnvoll. In Deutschland gibt es derzeit rund 300 MBA-Programme, laut dem Online-Portal MBA-Guide sind 70 Prozent von ihnen den sogenannten "Spezial-MBAs" zuzurechnen, die weder ein Studium Generale sind noch umfassende Managementkenntnisse vermitteln.

Generell gilt: Der Wert des Titels steigt und fällt mit der Reputation der Hochschule oder Business School und ihres MBA-Programms. Vor der Entscheidung für ein bestimmtes MBA-Programm sollten Bewerber die Schule ihrer Wahl daher sehr gründlich prüfen. Verfügt sie über eine internationale Akkreditierung durch AACSB oder EQUIS? Wie viele ECTS-Punkte werden im europaweiten Vergleich vergeben? Wer studiert an dieser Business School oder hat dort seinen MBA erworben? Welchen Ruf genießt sie bei Studierenden, Absolventen und natürlich in der Wirtschaft? Sinnvoll ist, dazu nicht nur die Schule selbst, sondern auch unabhängige Experten zu befragen.

Wichtig ist auch, dass die Schule ein tragfähiges Netzwerk aus Unternehmen und Alumni hat - für die berufliche Orientierung nach dem MBA und eine Management-Karriere sind nicht nur Persönlichkeit und exzellentes Wissen, sondern auch gute Kontakte unverzichtbar. Auch ein MBA-Studium im Ausland kann sehr sinnvoll sein - interkulturelle Erfahrungen und exzellente Sprachkenntnisse sind auf vielen Managementpositionen ein fast absolutes Muss.

Welche Studienmodelle gibt es und wieviel Zeit ist dafür nötig?

MBA-Aspiranten können sich für verschiedene Studienmodelle entscheiden. Neben einem Vollzeitstudium sind auch ein berufsbegleitender Teilzeit-MBA oder Fernstudiengänge möglich. In Europa dauert das Vollzeitstudium meist zwischen 10 und 19 Monaten. Die durchschnittliche Studiendauer für einen berufsbegleitenden MBA beträgt vier Jahre, kann jedoch je nach Hochschule auf sieben bis zehn Jahre verlängert werden. Ein MBA-Fernstudium dauert im Schnitt drei Jahre und ist für immer mehr Bewerber die optimale Studienform.

Sonderfälle sind der Executive MBA sowie Firmen- oder Konsortial-MBAs. Die Executive-Programme wenden sich explizit an Führungskräfte, die sich mit dieser Weiterbildung für hochrangige Managementaufgaben qualifizieren möchten, ihre Dauer variiert zwischen zehn Monaten und drei Jahren. Konsortial-Programme werden gewöhnlich von mehreren kooperierenden Unternehmen angeboten und durch eine Business School gestaltet - Inhalte, Studiendauer und Studienmodell sind auf die Bedürfnisse der Teilnehmer sowie der Firmen zugeschnitten.

Welches Studienmodell am besten ist, lässt sich nur anhand der individuellen Situation entscheiden. Ein Teilzeit-MBA oder ein Fernstudium verlangen den Studierenden eine immense Leistung ab, die sich ohne möglichst große Flexibilität und die aktive Unterstützung des Arbeitgebers kaum erbringen lässt. Die Konsortial-Programme sind in diesem Kontext zwar eine optimale Lösung, stehen jedoch nur einem vergleichsweise geringen Anteil der MBA-Anwärter offen.

Und was ist mit den Kosten?

Bei der Wahl der MBA-Schule und des persönlich passenden Studienmodells spielt natürlich auch die Finanzierung eine Rolle. An staatlichen Universitäten und Fachhochschulen fallen je nach Charakter und Dauer des Programms Studiengebühren zwischen etwa 7.000 oder 20.000 Euro an. An privaten Business Schools und an einigen besonders renommierten Universitäten kann der MBA deutlich teurer werden. In besonderem Maße gilt dies für die die Executive MBAs, deren Kosten sich schnell auf rund 50.000 Euro aufaddieren können. Andererseits fördern die teuren Studiengänge auch in besonders hohem Maße die Karriere, so dass sich diese Kosten durch das nach dem Abschluss oft deutlich höhere Gehalt auch schnell amortisieren können.

Falls der Arbeitgeber die Kosten nicht übernimmt, bleibt nur der Rückgriff auf Erspartes oder eine Studienfinanzierung. Die Business Schools helfen oft bei der Ausarbeitung des Finanzierungskonzeptes und der Verhandlung mit der Bank oder bieten eigene Finanzierungsprogramme an. Auch Sponsoring für MBAs durch Karrierenetzwerke, Stiftungen und Unternehmen sowie die Business Schools selbst ist inzwischen weit verbreitet. An der ESMT Berlin erhält beispielsweise knapp die Hälfte der Vollzeitstudenten ein Stipendium.

Wie sinnvoll ist ein MBA für Ingenieure?

Auch wenn der VDI Ingenieuren mit MBA-Abschluss gute Arbeitsmarkt- und Karrierechancen bescheinigt, stellt sich angesichts der hohen zeitlichen und finanziellen Belastungen die Frage, wie sinnvoll diese Weiterbildung für Ingenieure wirklich ist. Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht: Ein MBA-Studium zielt auf eine Position in der Unternehmensführung - geeignet ist es vor allem für Ingenieure, die eine Karriere im Management anstreben oder dort bereits angekommen sind.

Auch der Wechsel in eine andere Branche - beispielsweise in die Unternehmensberatung oder ins Investmentbanking - wird für Ingenieure durch einen MBA erleichtert oder erst ermöglicht. Ingenieure, die sich für eine Management-Karriere im Ausland interessieren, sind mit dieser Weiterbildung ebenfalls gut beraten - viele internationale Unternehmen setzen dafür einen MBA voraus.

Steigende Nachfrage nach MBA-Absolventen in Deutschland

Auf Unternehmensseite gilt: Die Reputation des MBA für Ingenieure hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Noch vor relativ kurzer Zeit wünschten sich Firmen im technischen Bereich vor allem Spezialisten, heute wissen sie auch und gerade bei Ingenieuren die Generalisten-Qualifikation zu schätzen, in der technologisches Knowhow, Management- und betriebswirtschaftliches Wissen zusammenfließen. Hinzu kommt die Realität in den Unternehmen.

Eine Studie des VDI stellt fest, dass über die Hälfte der Ingenieure heute nicht mehr nur in klassischen technischen Funktionen tätig sind, sondern fachfremde Aufgaben - Personalarbeit, Marketing oder Projektmanagement - übernehmen. In den VDI Nachrichten - der Wochenzeitung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) - fand sich im Herbst 2014 in diesem Zusammenhang eine recht interessante Meldung: Laut einer aktuellen Studie ist im vergangenen Jahr die Nachfrage nach MBA-Absolventen in der deutschen Wirtschaft um Vergleich zu 2013 um neun Prozent gestiegen. In diese Entwicklung sind Technologieunternehmen - beispielsweise im Softwarebereich und im Maschinenbau - ausdrücklich einbezogen.

Der Bedarf nach den hochqualifizierten Generalisten ist in Deutschland damit überdurchschnittlich hoch, in Großbritannien liegt er bisher beispielsweise nur bei fünf Prozent. Der deutsche Arbeitsmarkt ist nicht in der Lage, diesen Bedarf zu decken - in vielen Unternehmen werden Kandidaten mit einem MBA-Abschluss daher auch im Ausland angeworben.

Als ein Fazit:

Ein MBA eröffnet Ingenieuren vielfältigere und breiter angelegte Karriere-Perspektiven. Eine Alternative zur Promotion ist er für Ingenieure dagegen nur bedingt, eigenständige wissenschaftliche Arbeit steht dabei nicht im Vordergrund. Ingenieure, die sich auf darauf sowie auf Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten fokussieren wollen und sich - auch in ihrer Karriereplanung - eher als Spezialisten und nicht als Generalisten oder Manager sehen, werden mit einer Promotion fast immer besser fahren.

Gefragt ist für die Entscheidung zwischen MBA oder Doktorarbeit daher eine gründliche Analyse der eigenen Karriereziele und des persönlich angestrebten beruflichen Profils. Beide Optionen sind eine langfristige Investition in die berufliche Karriere - beim MBA geht es dabei vor allem um die Ausprägung von Management-Qualitäten.


Ingenieur-ID.de


Einige MBA-Studiengänge:

RWTH Executive MBA Programm, RWTH Aachen University / Universität St. Gallen

MBA in International Industrial Management, Hochschule Esslingen

MBA in General Management, International School of Management (ISM), Dortmund

MBA in Technology Management, NIT Northern Institute of Technology Management, Hamburg

International Executive MBA in International Management, Universität Salzburg

MBA Manufacturing Management / Industriemanagement, Leuphana Universität Lüneburg

International Executive MBA, Stuttgart Institute of Management and Technology

MBA Managementqualifizierung IT-Branche, Universität Potsdam

Vertriebsmanagement MBA, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Business Administration (MBA), Graduate School Rhein-Neckar / Hochschule Ludwigshafen


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