Promovieren als Ingenieur - Langfristige Investition in die Karriere

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche, BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen und Wolfgang Reitzle - Entwicklungsvorstand bei BMW, später Vorstandsvorsitzender der Linde AG und inzwischen Verwaltungsratspräsident des weltweit größten Baustoffherstellers Holcim - haben einen wichtigen Punkt in ihrer Biografie gemeinsam: den Titel eines Dr.-Ing. und damit eine Promotion in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach.

Mit ihrer Ausbildung, ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten sind die drei Ingenieure in die obersten Ränge der deutschen und internationalen Unternehmenselite aufgestiegen, gleichzeitig stehen sie für eine akademische Tradition in den Ingenieurs- und Technikwissenschaften, die bereits in der Gründerzeit begann.

Die ingenieurwissenschaftliche Promotion - ein unmittelbares Karriereinstrument

Der exzellente Ruf und der wissenschaftliche Anspruch deutscher Ingenieure sind bis heute ungebrochen. Der Ingenieur-Doktor wird - anders als der Doktortitel in vielen anderen Fächern - von den Ingenieuren selbst und von den Unternehmen als ein unmittelbares Karriereinstrument betrachtet.

Eine Studie der Technischen Hochschule Aachen aus dem Jahr 2011 lieferte konkrete Zahlen: Pro Jahr erwarben zwischen 2008 und 2010 an bundesdeutschen Universitäten und Fachhochschulen rund 3.000 Absolventen einen ingenieurwissenschaftlichen Diplom- oder Masterabschluss. Je nach Studienfach entschieden sich zwischen zehn und 25 Prozent von ihnen für eine Doktorandenausbildung, im bundesweiten Durchschnitt erwarb jeder fünfte Ingenieur den Doktortitel. 75 Prozent ingenieurwissenschaftlichen Doktoranden arbeiten nach ihrem Abschluss jedoch nicht im akademischen Bereich, sondern gehen in die Industrie, wo die Promotion sehr oft als Karriere-Turbo wirkt. Zwei Jahre nach dem Einstieg besetzt gut die Hälfte der promovierten Ingenieure in ihren Unternehmen bereits Führungspositionen, mit denen Personalverantwortung verbunden ist. Zehn Jahre zuvor brauchten sie im Schnitt noch fünf Jahre bis zur Beförderung auf die erste Führungsposition.

Im Vergleich zu anderen Fachrichtungen sind die schnellen Karrieren promovierter Ingenieure einzigartig - für Betriebswirte, Juristen sowie Geistes- und Sozialwissenschaftler zahlt sich der Doktortitel, wenn überhaupt, in der Regel erst deutlich später aus. Die Unternehmen selbst setzen hohe Erwartungen in die Ingenieur-Doktoren: in ihr fachliches Wissen und ihre Innovationskraft, aber auch ihre Kommunikations- und Führungsfähigkeit. Entsprechend hoch sind die Gehalts-Chancen promovierter Ingenieure.

Drei Schritte zum Doktortitel: Dissertationsschrift, Disputation, Rigorosum

Die Promotion ist der höchste akademische Grad, in den Ingenieurwissenschaften wird damit der Titel eines Dr.-Ing. erworben. Mit ihrer Doktorprüfung weisen die Promovenden nach, dass sie zu selbstständiger und vertiefter wissenschaftlicher Arbeit fähig sind. Bestandteile des Promotionsverfahrens sind:

  • Das Verfassen einer positiv begutachteten Dissertationsschrift, die einen Beitrag zum Fortschritt der Wissenschaft erbringt.

  • Ein wissenschaftlicher Vortrag über das gewählte Thema und die Disputation, bei der die Promovenden die Thesen ihres Vortrags und ihrer Dissertation verteidigen. In diesem Rahmen weisen sie nach, dass sie die theoretischen und methodischen Grundlagen ihres Fachgebiets beherrschen.

  • Eine mündliche Prüfung - das sogenannte Rigorosum - in denen auch ingenieurwissenschaftliche Fragestellungen außerhalb des Dissertationsthemas zur Sprache kommen.

Seit der Bologna-Reform führt der Weg zu einer ingenieurwissenschaftlichen Promotion über einen entsprechenden Master-Abschluss. Die Note der Abschlussarbeit sollte sich im Einser-Bereich bewegen, der Notendurchschnitt ein 2,0 möglichst nicht unterschreiten. Neue Diplomstudiengänge für angehende Ingenieure gibt es nur noch in Sachsen.

Das Promotionsrecht besitzen in Deutschland ausschließlich Universitäten und ihnen gleichgestellte Hochschulen, die Fachhochschulen sind davon ausgenommen. Noch vor wenigen Jahren hatten Fachhochschulabsolventen mit Promotionswunsch nur sehr geringe Chancen, sich diesen zu erfüllen. Inzwischen steigt die Zahl promovierender Fachhochschulabsolventen jedoch stetig an, die Mehrzahl der zugelassenen Doktoranden mit Fachhochschulabschluss sind Ingenieure.

Ingenieure promovieren meist im Rahmen einer wissenschaftlichen Mitarbeit

Eine ingenieurwissenschaftliche Promotion dauert mindestens drei, im Schnitt jedoch vier bis fünf Jahre - eine Zeit, in der viele Ingenieure im Vergleich zu anderen Doktoranden durchaus privilegiert sind. Die Aachener Studie zeigt, dass fast alle Ingenieure ihre Dissertation im Rahmen einer Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter verfassen, die Promotionsstellen werden direkt von der Industrie oder der öffentlichen Hand gefördert. In der Regel sind die Doktoranden mit ihren Forschungsthemen eng in die jeweiligen Institutsprojekte eingebunden.

Alternativ ist eine Förderung durch Stipendien möglich. Bei einer Kombination aus Doktorarbeit und Berufstätigkeit in der Industrie ist natürlich ideal, wenn das Promotionsvorhaben an Fragestellungen im Unternehmen anknüpft und durch den Arbeitgeber unterstützt wird.

Wissenschaftliche Leistung und Qualifikationserwerb für eine Position im Management

An welchen Projekten die angehenden Ingenieur-Doktoren arbeiten, richtet sich natürlich nach ihrem Fachgebiet - ein Elektrotechniker oder Informatiker hat andere Arbeitsschwerpunkte als ein Maschinenbauer, Bauingenieur oder Verfahrenstechniker. Auch die Anforderungen der universitären Institute sowie der Industrie-Sponsoren von Doktorandenstellen spielen bei der Wahl des Themas für die Dissertation natürlich eine Rolle.

Neben der Befähigung zu eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit erwerben ingenieurwissenschaftliche Doktoranden weitere Qualifikationen: Sie kooperieren mit Studierenden, übernehmen Lehraufträge, lernen Projekte zu organisieren und Personal zu führen. Sie referieren auf Konferenzen und Kongressen und übernehmen ihren Part in interdisziplinären Diskussion. Oft sind sie auch an Drittmittel-Verhandlungen, Projekt-Akquisen und der Organisation des institutsinternen Wissenschaftsbetriebes beteiligt.

Mit der Fertigstellung ihrer Dissertation beweisen sie, dass sie in ihrer Arbeit Ausdauer und einen "langen Atem" haben. Kurz: Sie erbringen eine wissenschaftliche Leistung und erwerben - nicht nur theoretisch, sondern "by doing" - Schlüsselqualifikationen für eine Position im Management.

Promovierte Ingenieure transferieren Wissen in die Unternehmen

Exakt diese Kombination wünschen sich auch die potentiellen Arbeitgeber promovierter Ingenieure. Das berufliche Profil der Ingenieur-Doktoren geht - nicht zuletzt im Hinblick auf Eigenständigkeit, interdisziplinäre Arbeit sowie den Wissenstransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft - über die Qualifikationen von Ingenieuren mit Diplom- oder Masterabschluss weit hinaus.

Seitens der Firmen ist hier zunehmend auch Internationalität gefragt. Immerhin verfasst ein Drittel der Ingenieur-Doktoren seine Dissertation in Englisch - im Bereich der Informatik trifft dies inzwischen auf die große Mehrheit zu - und bringen mit seiner Arbeit auch internationales Wissen in die Unternehmen.

Auch das Publikationsaufkommen promovierter Ingenieure ist - durchaus interessant für die Reputation des Arbeitgebers - in den vergangenen Jahren kontinuierlich angewachsen.

Gute Arbeitsmarktchancen, hohe Einstiegsgehälter, wenig Arbeitslosigkeit

Viele Ingenieure mit Doktortitel beginnen ihre Karriere in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen. Danach schlagen sie - zunächst als Gruppen- oder Abteilungsleiter - entweder eine Führungslaufbahn ein oder besetzen in verschiedenen Arbeitsfeldern eine Expertenposition im Unternehmen.

Gehaltsmäßig haben sie gegenüber ihren nicht promovierten Ingenieurskollegen mit um 20 bis 25 Prozent höheren Einstiegsgehältern von Anfang an einen großen Vorsprung, der zumindest in der Privatwirtschaft dauerhaft erhalten bleibt. Laut einer bayerischen Erhebung aus dem Jahr 2013 verdienten promovierte Ingenieure in privaten Unternehmen fünf Jahre nach dem Abschluss 5.509 Euro brutto monatlich, Ingenieure ohne Doktortitel kamen dagegen nur auf 4.117 Euro. Im öffentlichen Dienst waren die Gehaltsunterschiede mit 3.685 versus 3.575 Euro dagegen deutlich kleiner.

Insgesamt sind die Chancen von promovierten Ingenieuren auf dem Arbeitsmarkt gut bis sehr gut. Als Karriere-Treiber wirkt die Promotion vor allem dann, wenn sie für den gewünschten Job thematisch relevant ist. Wichtig ist allerdings die Kombination von wissenschaftlicher Leistung und praktischer Erfahrung. Vor allem mittelständische Unternehmen wünschen sich von ihren idealen Bewerbern oft eine stark ausgeprägte Praxisfokussierung. Von Arbeitslosigkeit sind nicht nur Ingenieure mit Doktortitel, sondern promovierte Akademiker unterdurchschnittlich oft betroffen.

Promotion - langfristige Investition in die eigene Karriere

Auf die künftigen Doktoren kommt nach der Entscheidung für die Promotion allerdings zunächst viel Arbeit zu. Eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter bietet zwar optimale Voraussetzungen für die wissenschaftliche Arbeit, bedeutet aber zunächst aber auch einen deutlichen finanziellen Nachteil gegenüber früheren Kommilitonen, die direkt nach dem Master-Abschluss in einem Wirtschaftsunternehmen tätig werden - wissenschaftliche Mitarbeiter auf einer Vollzeitstelle erhalten monatlich etwa 3.000 Euro brutto.

Auch der Berufsstart in der Wirtschaft verschiebt sich durch die Promotion um mehrere Jahre, nicht promovierte Kollegen haben in dieser Zeit bereits die ersten Karriereschritte hinter sich gebracht. Ohne ausreichende Praxiserfahrung kann sich das vergleichsweise hohe Alter promovierter Ingenieure bei der Stellensuche als Problem erweisen. Zudem gewinnen Fragen nach der Vereinbarkeit von Promotion und Familie mit zunehmendem Alter einen höheren Stellenwert. Bezeichnend ist, dass sich nur neun Prozent der Frauen mit einem ingenieurwissenschaftlichen Master-Abschluss für eine Promotion entscheiden.

Einige große Unternehmen bieten ingenieurwissenschaftlichen Doktoranden befristete Promotionsstellen mit reduzierter Arbeitszeit und Integration in firmeninterne Projekte an. Sofern die Anbindung an eine Universität gesichert ist, kann dies eine optimale Lösung sein. Die Kehrseite ist, dass der Unternehmenskontext der Publikation wissenschaftlicher Ergebnisse oft vergleichsweise enge Grenzen setzt und die Arbeit an der Dissertationsschrift in sehr gestraffter Form erfolgen muss.

Als ein Fazit:

Eine ingenieurwissenschaftliche Promotion ist eine langfristige Investition in die eigene Karriere, die oft ein überdurchschnittlich hohes Einkommen und hervorragende berufliche Entwicklungsmöglichkeiten nach sich zieht. Bei der Entscheidung für die Doktorarbeit sollten jedoch nicht nur die erwarteten Gehalts- und Karrierechancen, sondern vor allem die Begeisterung für das eigene Fachgebiet und die Freude an wissenschaftlicher Arbeit eine Rolle spielen.

Ingenieur-ID.de

Ausgeschriebene Promotionsstellen:

IT-Projektmanager (m/w) mit Promotionsabsicht für Konzeption, Erweiterung und Betrieb der smarten ITInfrastruktur in den FIR-Innovation-Labs

Projektmanager Produktions- und Supply-Chain-Management (w/m) mit Promotionsabsicht

Projektmanager Wirtschaftsingenieur und Ingenieur (m/w) mit Promotionsabsicht

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