Ingenieure in Führungspositionen

Sind Ingenieure die besseren Manager?
Bei der Besetzung von Führungspositionen stellt sich immer wieder die Frage, ob Ingenieure oder Betriebswirte die besseren Manager sind. Pauschalieren lässt sich die Antwort nicht. Eine Gemeinsamkeit der Studiengänge ist das Erlernen der wissenschaftlichen Problemanalyse in Verbindung mit der Findung möglicher Lösungsansätze. Diese Schulung des analytischen Denkens macht jedoch nicht zwangsweise Ingenieure und Betriebswirte zu guten Managern.

Die Aufgaben des Managements

Unter Management wird traditionell die Steuerung der natürlichen, personellen und finanziellen Ressourcen eines Unternehmens verstanden. Die langfristige Umsetzung der Unternehmensziele steht dabei im Vordergrund. In den jeweiligen Hierarchiestufen entscheidet die Kompetenz der Führungskräfte über den Erfolg. Dabei ist die Führungskompetenz ein wichtiger Teil der Managementkompetenz.

Nach Robert L. Katz (1974) und Rosemary Stewart (1982) unterteilen sich die Führungsaufgaben in technische, analytische und soziale Kompetenzen. Eine gute Führungskraft vereint Management und Führung in einer Person. In der Funktion als Manager beschäftigt sie sich mit Organisation, Planung und Kontrolle. Motivation, Vision und Inspiration sind Aufgaben der Führung. Als Führungsstil wird das langfristige von der Situation unabhängige Verhaltensmuster bezeichnet, in dem sich die Grundeinstellung gegenüber den Mitarbeitern widerspiegelt.

Sowohl die fachliche als auch die persönliche Kompetenz entscheiden über die Akzeptanz. Das heißt jedoch nicht, dass sich geniale Ingenieure zwangsläufig als Manager profilieren können. Eine hohe fachliche Kompetenz impliziert nicht logisch die erfolgreiche Führung eines Betriebs.

Wichtige Eigenschaften eines Managers

Egal, ob es sich um Ingenieure oder Betriebswirte handelt, grundsätzlich müssen erfolgreiche Führungskräfte in der Lage sein, Aufgaben und Verantwortungen zu delegieren. Ein altes Sprichwort sagt: Wer selbst arbeitet, verliert den Überblick.

Wer über alle Vorgänge im Unternehmen die Kontrolle besitzen möchte, büßt den Blick fürs Wesentliche ein. Zudem demotiviert er seine Mitarbeiter. Wichtiger als die direkte Mitarbeiterkontrolle ist es, den Überblick über das Ganze zu behalten und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Gute Führungskräfte erkennen früh Fehler im Arbeitsablauf sowie in der Verwaltung und greifen steuernd ein.

Teamgeist, Kritikfähigkeit und strategisches Denken gehören zusammen mit Konsequenz, einem Gespür für den Markt und die Stimmung im Team zur Managementkompetenz. Wer seinen Mitarbeitern Verantwortung überträgt, ihnen vertraut und sie selbstständig arbeiten lässt, erreicht in der Regel mit deutlich weniger Aufwand in der gleichen Zeit sein Ziel wie der Kontrollfreak.

Ingenieure im Management, wo liegen die Vorteile?

In technischen Unternehmen haben Ingenieure an der Führungsspitze in vielen Bereichen einen Vorsprung gegenüber den Betriebswirten. Die Naturwissenschaftler erkennen Schwachstellen an technischen Produkten und wissen um die Schwierigkeiten bei der Entwicklung.

Im Rahmen der Meilensteinplanung schätzen Ingenieure die Zeitabläufe besser ein. Dadurch sparen Unternehmen Geld, das Controlling muss die Zahlen nicht laufend korrigieren und kann langfristig besser planen. Zudem erlaubt der Praxisbezug der Ingenieure die Beurteilung der Qualität des Endprodukts, während Betriebswirte sich gänzlich auf Aussagen der Fachabteilungen verlassen müssen. Fachbereichsleiter haben keine Möglichkeit, den Fragen der Ingenieure auszuweichen und technische Probleme zu verharmlosen.

Bei der Personalwahl sind Ingenieure den Betriebswirten ebenfalls deutlich überlegen. Ein gutes Zeugnis oder Diplom stellt keine Garantie für fachliches Können dar oder gibt Hinweise auf besondere Fähigkeiten. Im Gegensatz zu den Geisteswissenschaftlern müssen sich Ingenieure bezüglich der technischen Kenntnisse nicht auf die Bewertung anderer verlassen. Mit gezielten Fragen können sie die Bewerber selektieren und sich ein eigenes Urteil über deren Fachwissen bilden.
Wählen Ingenieure einen neuen Mitarbeiter für einen technischen Bereich aus, kommt es in Abhängigkeit von der Tätigkeit durchaus vor, dass sie nach einem Gespräch nicht den Bewerber mit den besten Bewertungen nehmen.

Managementseminare und Lehrgänge für Ingenieure in Führungspositionen

Umfangreiche technische Kenntnisse und Personalführungskompetenz sind keine ausreichende Grundlage für die erfolgreiche Führung eines Unternehmens. Das betriebswirtschaftliche Fachwissen ist ebenso gefordert.

Ideal für Ingenieure, die eine Führungsposition anstreben, sind Seminare und Lehrgänge, die gezielt das betriebswirtschaftliche Fachwissen für Managementaufgaben vermitteln. Die Auswertung von Bilanzen, die Analyse der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen sowie juristisches Grundwissen gehören ebenso zum Seminarinhalt wie Organisation, Planung und Grundlagen des Finanz- und Produktmanagements.
Nicht zu unterschätzen ist die Wichtigkeit des persönlichen Zeitmanagements. Je höher die Führungsebene, desto enger liegen die Termine.

Visionäre und Manager mit technischem Know-how

Viele Unternehmen, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts existieren, gründeten Ingenieure. Zu den bekanntesten Visionären gehörten Carl Benz (1844-1929) und Gottlieb Daimler (1834-1900). Benz entwickelte 1879 seinen ersten funktionsfähigen Zweitaktmotor, 1883 meldet Daimler einen mit Maybach zusammen konstruierten Viertaktmotor zum Patent an. Der Ingenieur Franz Josef Popp (1886-1954) war der erste Generaldirektor der BMW AG.

Mut zur Entscheidung und die Fähigkeit andere Menschen für ihre Ideen zu begeistern, zählten neben hoher technischer Kompetenz zu den besonderen Eigenschaften dieser Männer.
Unter den Topmanagern Deutschlands im 21. Jahrhundert befinden sich ebenfalls viele Ingenieure. Beispiele dafür sind die Diplom-Ingenieure Wolfgang Reitzle (*1949) und Wendelin Wiedeking. Reitzle führte bis 2014 die bereits 1879 von dem Ingenieur Carl von Linde (1842-1934) gegründete Linde AG. Wiedeking (*1952) managte bis 1993 die Porsche AG, danach übernahm er die Führung der Volkswagen AG.
Norbert Reithofer (*1956), ebenfalls ein Ingenieur, folgte dem Physiker Helmut Panke (*1946) als Vorstandsvorsitzender bei BMW nach. Seit 2003 lenkt der Maschinenbauingenieur Wolfgang Mayrhuber (1947) die Geschicke der Lufthansa AG.

Die Liste bekannter Manager mit naturwissenschaftlich-technischem Hintergrund ließe sich problemlos fortsetzten. Allein von den 30 Vorstandsvorsitzenden der deutschen Dax-Unternehmen besitzen insgesamt 14 einen Universitätsabschluss als Naturwissenschaftler oder Ingenieur.

Ingenieur-ID.de

Bild: © kasto - Fotolia.com
Zurück zur Übersicht