Der erste Arbeitsvertrag

Was Berufseinsteiger wissen müssen

Ist das Studium abgeschlossen und die Bewerbungsphase erfolgreich durchlaufen, kann mit Stolz der erste Arbeitsvertrag unterzeichnet werden. Doch welche Punkte muss ein Arbeitsvertrag unbedingt enthalten und welche Bestandteile des Arbeitsverhältnisses müssen generell geregelt werden? Ingenieur-ID.de stellt die wichtigsten Punkte eines Arbeitsvertrages zusammen und benennt Berufseinsteigern Tipps.   

Grundsätzlich können Verträge in Deutschland sowohl mündlich als auch schriftlich abgeschlossen werden, so auch im Fall von Arbeitsverträgen. Doch spätestens einen Monat nach Beginn des Arbeitsverhältnisses, muss ein schriftlicher Arbeitsvertrag vorgelegt und unterschrieben werden. In der Gestaltung des Arbeitsvertrages hat der Arbeitgeber zwar einen gewissen Spielraum, wird aber durch Gesetze und Tarifverträge in seiner Gestaltungsfreiheit eingeschränkt.

Ob nun zweiseitig oder über zehn Seiten lang, Standardvertrag oder von der  Rechtsabteilung individuell erstellt - jeder Arbeitsvertrag muss bestimmte Mindestangaben enthalten, um rechtswirksam zu sein. 

Mindestmaß an Angaben

So sind in jedem Arbeitsvertrag unbedingt Name und Anschrift beider Vertragsparteien, der Beginn des Arbeitsverhältnisses und der Arbeitsort niederzuschreiben. Sofern der Arbeitnehmer nicht an einem Ort beschäftigt werden kann, muss der Hinweis auf verschiedene Arbeitsorte im Arbeitsvertrag stehen.

Weiterhin ist, laut dem Nachweisgesetz (NachwG) in jedem Arbeitsvertrag die Tätigkeitsbeschreibung festzusetzen. Gesetzlich ist zwar nur eine „kurze Charakterisierung oder Beschreibung“ erforderlich, je ausführlicher aber die Tätigkeit beschrieben wird, umso besser ist es für Sie.

In diesem Fall können Sie Aufgaben, die Ihnen zwar erteilt werden, die aber nicht in Ihrem Tätigkeits- und Qualifikationsbereich liegen, mit Verweis auf Ihren Arbeitsvertrag ablehnen. Je verschwommener die Formulierungen sind, umso wahrscheinlich ist es auch, dass Sie Tätigkeiten zu erfüllen haben, mit denen Sie im Vorfeld nicht rechnen.

Ebenso muss die vereinbarte Arbeitszeit im Vertrag genau festgehalten werden. Oft wird es in Form von Wochenstunden angegeben, die in den meisten Unternehmen zwischen 30 und 45 Stunden beträgt. Die Gestaltung der Arbeitszeiten wird durch das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt. Grundsätzlich darf die werktägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht übersteigen, kann  aber auf bis zu 10 Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von 24 Wochen durchschnittlich die 8-Stunden-Marke nicht überschritten wird.  

Ein weiterer Punkt, der Erwähnung im Arbeitsverhältnis finden muss, ist die Urlaubsvereinbarung, die durch das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) geregelt wird und laut Gesetz auf mindestens 24 Werktage jährlich gesetzt ist.

Das Gehalt wird als Jahres- oder Monatsbruttoeinkommen im Arbeitsvertrag angegeben. In der Regel wird das Geld am letzten Werktag eines jeden Monats überwiesen, es sei denn, es ist anders im Arbeitsvertrag vermerkt.

Gesetzlich vorgeschrieben sind außerdem Hinweis auf Tarifverträge, Betriebs- und Dienstvereinbarungen, die Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis haben. Sofern ein befristeter Arbeitsvertrag geschlossen wird, ist die absehbare Dauer des Arbeitsverhältnisses festzuhalten.

Je nach Wunsch und Bedarf

Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtangaben, können weitere Punkte in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden. Hierzu gehören oft Vereinbarungen zur

  • Probezeit: In den meisten Fällen beginnt das Arbeitsverhältnis mit einer Probezeit, innerhalb der, beide Parteien mit einer Frist von zwei Wochen grundlos kündigen können.

  • Nebentätigkeit: Der Arbeitgeber kann im Arbeitsvertrag festsetzen, dass Nebentätigkeiten anzumelden sind.

  • Wettbewerbsverbot: Möchten Sie als Arbeitnehmer in einem Unternehmen nicht dauerhaft bleiben, sondern dieses vielleicht als Sprungbrett nutzen, ist bei Klauseln zur Wettbewerbsverboten Vorsicht geboten. Bei rechtswirksam formulierten Wettbewerbsklauseln können Sie für eine Dauer von bis zu zwei Jahren, nach Beenden des Arbeitsverhältnisses, gehindert werden, bei der Konkurrenz zu arbeiten.

  • Überstundenregelung: Der Arbeitgeber kann festsetzen, dass Überstunden zu erbringen sind, sofern die Arbeit in der regulären Arbeitszeit nicht zu schaffen ist. In diesem Fall sollte auch die Vergütung für die Überstunden im Arbeitsvertrag geregelt werden.

Lesen, Prüfen, Beraten

Lesen und prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag unbedingt sorgfältig und aufmerksam durch. Wichtig ist, dass Sie jede Klausel verstehen und mit deren Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis einverstanden sind.

Bei Unklarheiten und Bedenken, lohnt es sich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzuzuziehen und sich beraten zu lassen. So kann der Fachanwalt den Vertrag auch nach möglichen rechtsunwirksamen Klauseln prüfen. Denn wenn, im Arbeitsvertrag Punkte enthalten sind, die nicht mit den gesetzlichen Regelungen vereinbar sind, sind diese nichtig, auch wenn der Arbeitsvertrag bereits von beiden Parteien unterschrieben wurde.

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