Assessment Center

Übungen, Vorbereitung, Empfehlungen
Auf dem Prüfstand: fachliche und soziale Kompetenz und nichts Geringeres als die Persönlichkeit selbst. Zeit zu überzeugen: Maximal 3 Tage. Jury: äußerst aufmerksam, erfahren und schwer zu täuschen.
Das Assessment Center gilt als das härteste Verfahren der Personalauswahl! Für Unternehmen ist es zeit- und kostenaufwändig, für Kandidaten ein wahrer Kraftakt. Verwunderlich ist es also nicht, dass die Einladung zum Assessment Center die Kandidaten nicht nur mit Stolz erfüllt, sondern auch in Angst und Aufregung versetzt. Schließlich verlangt die Fülle und Vielfalt an Aufgaben, die im Assessment Center zu absolvieren sind, von den ausgewählten Teilnehmern viel ab. 

Das Ziel eines Assessment Centers ist es unter den teilnehmenden Kandidaten diejenigen auszuwählen, die für die ausgeschriebene Stelle oder die zu besetzende Position am besten geeignet und qualifiziert sind. Die Kandidaten werden hierbei vor verschiedene Aufgaben gestellt und bei der Bewältigung von diesen von einem Gremium genau beobachtet und analysiert. Das Gremium wird entweder von einer externen Beratungsfirma oder unternehmensintern besetzt und setzt sich aus mehreren Beobachtern zusammen, die erfahren und extra geschult sind. Oft werden auch Psychologen beteiligt, mit dem Ziel auch die Persönlichkeit der Kandidaten professionell zu analysieren.

Bei der Entscheidung geht das Gremium nach im Vorfeld definierten Kriterien vor, bewertet aber jeden Kandidaten individuell. Geschaut wird dabei nicht nur nach den bereits vorhandenen Fähigkeiten und Soft Skills, sondern auch nach möglichen Potentialen und Entfaltungsmöglichkeiten der Kandidaten, ganz nach dem Motto: Das was du noch nicht kannst, bringen wir dir bei!

Assessment Center als Spielwiese

Für Personalentscheider sind Assessment Center eine regelrechte Spielwiese! Innerhalb kürzester Zeit lernen sie intensiv die Kandidaten kennen. Anhand von verschiedenen Einzel- und Gruppenaufgaben, Rollenspielen und unterschiedlichen Problemstellungen werden nicht nur die verschiedenen Facetten des Arbeitsalltags simuliert, sondern auch die fachliche und soziale Kompetenz der Teilnehmer geprüft. Die Reaktion, das Verhalten und die Fähigkeit Probleme und Aufgaben zu bewältigen, wird genau beobachtet.

Da die Aufgaben meist unter konkreten Zeitvorgaben gestellt werden, die zudem sehr knapp oder bewusst zu kurz sind, entspricht die Atmosphäre im Assessment Center der einer Prüfung. Die Beobachter erhoffen sich so zu erfahren, wie stressresistent, teamfähig, lösungsorientiert und strapazierfähig die Kandidaten sind und wer nach objektiver Beurteilung am besten für die freie Stelle geeignet ist. Die Teilnehmer stehen dabei unter Dauerbeobachtung und dem meist selbstauferlegten Druck Bestleistungen zu liefern.

1.Selbstpräsentation – Lebenslauf mit rotem Faden

Als erste Etappe im Assessment Center und erste Kennenlernphase werden oft Selbstpräsentationsaufgaben durchgeführt. Nachdem sich das Unternehmen zunächst selbst in einem kurzen Vortrag vorgestellt hat, kommen die Kandidaten an die Reihe. Meistens müssen die Teilnehmer sich selbst vorstellen, in selten Fällen stellen die Kandidaten in zweier Gruppen ihren Gegenüber dem Publikum vor.

Grundsätzlich sollen in Selbstpräsentationsübungen die wichtigsten Phasen aus dem Lebenslauf vorgestellt und in einem Kurzvortrag, meist fünf Minuten, präsentiert werden. Ein gut strukturierter und vorbereiteter Vortrag ist wichtig und sollte im Vorfeld geprobt werden. Empfehlenswert ist es im Vortrag vor allem solche Erfahrungen und Kompetenzen in den Vordergrund zu stellen, die auch für die ausgeschriebene Stelle wichtig sind.

Unsere Empfehlung:

Keine andere Übung kann im Vorfeld so gut vorbereitet werden, wie diese. Üben Sie vor dem Spiegel oder Freunden, um diese Aufgabe mit genügend Souveränität und Leichtigkeit zu meistern. Bereiten Sie je einen Vortrag für drei, fünf und zehn Minuten vor. Je nach vorgegebener Zeit sind Sie so gut gewappnet und erhalten keine Minuspunkte für unter- oder überschrittene Redezeit. Belegen Sie Kompetenzen und Soft Skills, anhand von Erfolgen und gemeisterten Herausforderungen. Meistens werden den Kandidaten für diese Übung Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, wie zum Beispiel Overheadfolien. Daher sollten Sie sich im Vorfeld überlegen, wie Sie diese einsetzen und welche Punkte auf die Folien kommen. Ein roter Faden ist hier wichtig!

2. Gruppenarbeit - Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Obwohl jeder Kandidat im Grunde für sich selbst kämpft, ist auch Teamfähigkeit gefragt. In mehreren Gruppenaufgaben und -übungen wird die Durchsetzungsfähigkeit von jedem einzelnen, die Fähigkeit zu kooperieren, Kompromisse zu finden oder sich auf diese einzulassen, getestet und eingeschätzt.

Zur Gruppenarbeit kann sowohl eine Gruppendiskussion, als auch eine Fallstudie in Form einer konkreten Problemstellung gehören, die das gemeinsame Erarbeiten und Präsentieren eines Endergebnisses erfordert. Die Themen können sehr vielfältig oder unternehmensspezifisch sein und den Kandidaten zur freien Auswahl gestellt oder konkret vorgegeben werden. Die zur Verfügung gestellte Zeit kann je nach Arbeitsaufwand und Komplexität mehrere Stunden dauern.

Unsere Empfehlung:

Lesen Sie die gestellten Aufgaben genau und sorgfältig durch. Machen Sie sich Stichpunkte und begründen Sie Ihre Aussagen. Beteiligen Sie sich an der Gruppenarbeit oder -diskussion, aber versuchen Sie nicht zu dominieren. Andere ausreden zu lassen und zuhören ist ebenso wichtig wie das Einbringen eigener Argumente.

Zur Vorbereitung kann Ihnen eine gute Recherche über das Unternehmen und das Kennen der Branche helfen. So können Sie die möglichen Themen einer Fallstudie besser einschätzen und sich schon im Vorfeld Gedanken machen.

3. Postkorbübung – Organisation und Prioritätensetzung

Die Postkorbübung ist wohl der Klassiker im Assessment Center und stellt das Organisationstalent der Kandidaten auf die Probe. – In eine Menge an unsortierten Notizen, Karteikarten, Dokumenten oder E-Mails soll innerhalb einer vorgegeben, meist sehr kurzen, Zeit Ordnung und System eingebracht werden. Oft ist das Sortieren hier nicht eindeutig lösbar, da mehrere Überschneidungen vorliegen können und daher bei der Bewältigung dieser Aufgabe Prioritäten gesetzt werden müssen.

Neben einer konkreten Zeitvorgabe, kann der Druck auch durch Ablenkungen oder weitere Nebentätigkeiten wie entgegenzunehmende Telefonate erhöht werden.

Unsere Empfehlung:

Behalten Sie Ruhe und setzen Sie bei der Aufgabenlösung Prioritäten. Versuchen Sie bis zum Schluss konzentriert zu bleiben und nicht frühzeitig aufzugeben, weil die Zeit nicht reicht. Meist ist die Zeit bewusst so gewählt, dass die Aufgabe nicht vollständig gelöst werden kann.

4. Rollenspiele – Verhandlungsgeschick und Gesprächsführung

Bei dem Rollenspiel wird oft eine unternehmenstypische Situation simuliert, zum Beispiel ein Kunden- oder Mitarbeitergespräch. Der Kandidat übernimmt bei diesem Spiel oft die Rolle des Vorgesetzten und muss hier vor allem sein Verhandlungsgeschick zeigen. Beliebt und vor allem für Vertriebsingenieure von Bedeutung sind auch Verkaufsgespräche. Die Aufgabe kann zusätzlich dadurch erschwert werden, dass der Gesprächspartner die Rolle eines uneinsichtigen, aggressiven oder labilen Gesprächspartners spielt. In diesem Fall gilt es Ruhe zu bewahren und gut zu argumentieren. Das Gesprächs sollte ein klares Ergebnis liefern.

Unsere Empfehlung:

Bleiben Sie bei dieser Übung freundlich, sachlich und verlieren Sie nicht die Gesprächsführung. Bringen Sie Ihre Argumente ein und behalten Sie das gestellte Ziel stets vor Augen.

5. Intelligenz-, Leistungs- und Persönlichkeitstests

Auch die Durchführung von Intelligenz-, Leistungs- und Persönlichkeitstests ist im Assessment Center nicht unüblich. Ob diese wahrscheinlich sind, hängt auch von der Dauer des Assessment Centers ab.

Die Vorbereitung auf diese Tests ist wohl am schwierigsten, da es nur schwer abzuschätzen ist, was einen erwarten könnte. Meist ist das Ziel, das logische und analytische Denken, die räumliche Vorstellungskraft und das Allgemeinwissen zu prüfen.

Unsere Empfehlung:

Frischen Sie für diese Übungen Ihr Allgemeinwissen auf und üben Sie anhand von typischen Intelligenztest-Aufgaben. Behalten Sie außerdem die aktuelle Presse im Überblick. Auch Konzentrationsübungen könnten Ihnen helfen, Bestleistungen zu liefern.

6. Das Interview – Stärken und Schwächen gekonnt präsentieren

In dem Interview mit dem Kandidaten, soll vor allem die Selbsteinschätzung geprüft werden. Entscheidend ist es hier die eigenen Stärken und Schwächen gekonnt ins Szene zu setzen. Bewertet wird nicht nur die (kritische) Selbstpräsentation, sondern auch die Motivation der Kandidaten, die Bereitschaft Neues zu erlernen oder sich auf Neues einzulassen.

Unsere Empfehlung:

Es ist sehr wichtig sich schon vorab für das Interview vorzubereiten und die eigene Selbstpräsentation zu üben sowie die eigenen Kompetenzen möglichst anhand von gemachten Erfahrungen und Erfolgserlebnissen zu belegen. Zur Vorbereitung auf das Einzelgespräch können Ihnen die Typischen Fragen im Bewerbungsgespräch helfen.

In diesem Gespräch können Fragen bewusst provokativ gestellt werden, um Sie in Stress zu versetzen. Behalten Sie trotzdem Ruhe und überlegen Sie sich im Vorfeld wie Sie auf angesprochene Niederlagen oder Lücken im Lebenslauf reagieren. Bleiben Sie in diesem Fall freundlich und gestehen Sie Niederlagen durchaus ein. Argumentieren Sie aber auch, dass auch Misserfolge für Sie eine wertvolle Erfahrungen gewesen sind und was Sie aus diesen gelernt haben.

7. Das finale Feedback – Kritik gekonnt einstecken

Zum Schluss eines Assessment Centers wird oft ein persönliches Gespräch mit dem Kandidaten geführt, in dem die wichtigsten Punkte der Entscheidung in Form einer hilfreichen und konstruktiven Kritik, mitgeteilt werden.

Unsere Empfehlung:

Auf dieses Feedback sollten Sie als Kandidat eines Assessment Centers unbedingt bestehen, da sie aus diesem Gespräch vieles mitnehmen und lernen können. Ein gutes Gespräch liefert Ihnen Ansatzpunkte, woran sie in Zukunft arbeiten müssen und wie Sie besser werden können. Beleidigungen sind bei diesem Gespräch fehl am Platz. Die geäußerte Kritik sollte konstruktiv und professionell sein.

Auch wenn Sie zu diesem Zeitpunkt höchstwahrscheinlich am Reizpunkt Ihrer Kräfte und Nerven sind, sollten Sie die Kritik professionell aufnehmen und vor allem als Chance sehen. Gleichzeitig können Sie im Gespräch Ihre offenen Fragen klären.

Übung macht den Meister

Von kostenpflichtigen Vorbereitungskursen bis hin zu Ratgebern gibt es viel auf dem Markt, das Bewerber und Teilnehmer erfolgreich auf die Teilnahme am Assessment Center vorbereiten soll.

Wie weit die Vorbereitung geht und wie viel Zeit, Geld und Aufwand man investieren möchte, hängt sowohl von der angestrebten Position oder Stelle, als auch von der Selbstsicherheit der Kandidaten ab.

Auch im Assessment Center gilt: Übung macht den Meister. Wenn Sie kein Geld in Kurse, Ratgeber oder Coaches investieren möchten, dann gibt es immer noch die Möglichkeit, sich für ein tatsächliches Assessment Center zu qualifizieren, aber für eine für Sie wenig interessante Stelle. So können Sie für Ihre Wunschposition üben, Erfahrung sammeln und Selbstsicherheit gewinnen.

Eine gute Vorbereitung, Recherche über das Unternehmen und der Unternehmensphilosophie sowie Branchenkenntnisse sind wichtig, um ein Assessment Center souverän zu überstehen. Sollte die Selbstsicherheit aber dennoch schwinden, so führen Sie sich vor Augen vor, dass Sie bereits jetzt zu einem engen Kreis an Auserwählten gehören und auf sich stolz sein können.

Fast zu Standardfloskel montiert, aber dennoch der wichtigste Tipp für ein Assessment Center: Verstellen Sie sich nicht, sondern bleiben Sie so wie Sie sind!

Unabhängig davon, wie es am Ende für Sie ausgeht: mit Ablehnung oder Wunschposition. – Es kann eine wertvolle Erfahrung sein, aus der Sie viel über sich selbst lernen können.

Ein Rat zum Schluss: lassen Sie sich nicht alles gefallen, aber bleiben Sie fair, auch gegenüber Ihren Mitstreitern im Assessment Center.

Ingenieur-ID.de

Bild: © contrastwerkstatt - Fotolia.com


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