William Edward Boeing

„Ich denke, wir können ein besseres bauen.“ William Edward Boeing






William Edward Boeing begründete eine der uramerikanischen Geschichten, in denen erzählt wird, wie aus einem armen Auswanderer ein erfolgreicher und großer Unternehmer wird. 1916 gründete Boeing die Firma, die bis heute weltweit der größte Hersteller von Flugzeugen ist.

Sein Vater stammte aus dem Sauerland

William Edward Boeing hieß bei seiner Geburt am 1. Oktober 1881 noch Wilhelm Eduard Böing. Sein Vater, der ebenfalls Wilhelm hieß, war Bergbauingenieur, der seine Heimat im Sauerland 1868 verließ. Er wanderte nach Amerika aus und stieg mit 60 Dollar Startkapital ins Detroiter Holzgeschäft ein.

Wenn er statt dessen geblieben wäre, hätte dann der Sohn im Sauerland sein Unternehmen gegründet? Ausgerechnet die vom Boeing-Werk gebauten B-17-Bomber zerstörten immerhin kurz vor dem Kriegsende die Stadt, aus der einst sein Vater stammte.

Trotz Studium kein Abschluss

Als William Boeing neun Jahre alt war, starb sein von ihm sehr verehrter Vater. 1894 schickte ihn seine Mutter als 13-jährigen auf ein Schweizer Internat. Sechs Jahre später kam er zurück, änderte seinen Namen und hieß ab jetzt William Edward Boeing.

Er begann ein Studium an der Universität in Yale, das er drei Jahre später ohne Abschluss wieder beendete. Er fing im Holzverarbeitungsbetrieb seines Vaters an zu arbeiten und lernte dort vieles über Holzkonstruktionen. Auf diese Kenntnisse konnte er später beim Bau der Flugzeuge zurückgreifen.

1909 reiste er nach Seattle, sah auf der Alaska-Yukon-Pacific-Messe sein erstes bemanntes Flugzeug und war von diesem Zeitpunkt an begeistert von der Faszination am Fliegen und an Flugzeugen. Er sah 1910 bei einer Flugschau in Los Angeles Luftakrobaten, die halsbrecherisch scheinende Kunststücke in der Luft vorführten.

Ein Auftrag der Navy als Starthilfe

Boeing flog gerne. Damals waren die Flugzeuge Doppeldecker, bei denen sowohl der Pilot, als auch der Passagier noch fast im Freien saßen. Boeing war überzeugt davon, dass sich noch weitaus bessere Flugzeuge entwerfen lassen würden. Das erste Flugzeug, das Boeing 1915 gemeinsam mit dem Schiffingenieur George Westervelt konstruierte, war ein Wasserflugzeug mit Zwillingsschwimmern, das aus Holz, Leinen und Draht gefertigt wurde. Da Westervelt seine Mitarbeit aufgab, baute Boeing die beiden ersten B&W (Boeing & Westervelt) alleine fertig.

Boeing gründete 1916 die Pacific Aero Products Company und änderte den Namen der Firma ein Jahr später in Boeing Airplane Company. Eine Kommission der Navy vergab 1917 nach dem Eintritt der USA in den ersten Weltkrieg einen Auftrag über eine Lieferung von insgesamt 50 Flugzeugen, mit denen Piloten ausgebildet werden sollten. Boeing erhielt dafür den Zuschlag und erweiterte daraufhin sein Unternehmen. Als der Krieg vorbei war, war eine große Menge an gebrauchten Militärmaschinen auf dem Markt: Die Nachfrage nach neuen Flugzeugen stagnierte. Das bekam auch Boeing zu spüren.

Flugtransport von Post, Fracht und Passagieren

Boeing verkleinerte die Firma wieder und spezialisierte sich unter anderem auf den Transport von Passagieren, Fracht und Post mit Flugzeugen. Die erste Luftpost zwischen den USA und Kanada transportierte William Edward Boeing zusammen mit Westervelt am 3. März 1919 mit einer Boeing Model 40A. Für dieses Flugzeug bekam er 1927 für die Luftpostfluglinie von San Francisco bis nach Chicago eine staatliche Konzession.

Acht Jahre später, 1927, gründete Boeing mit der Firma Boeing Air Transport seine eigene Fluggesellschaft. Um sein Wachstum zu sichern, kaufte er verschiedene Postfluglinien und andere regionale Fluggesellschaften auf, wie beispielsweise die erst ein Jahr zuvor gegründete Varney Air Lines.

William Boeing fusionierte 1928 die Boeing Airplane Company, in der die Flugzeuge hergestellt wurden, mit Boeing Air Transport zur Boeing Airplane and Transport Corporation. Gemeinsam mit dem Hersteller der Flugzeugtriebwerke Pratt & Whitney und anderen Produzenten von Flugzeugen gründete er die United Aircraft and Transport Corporation.

Vorwurf der Monopolbildung

Mit der United Aircraft and Transport Corporation geriet Boeing in das Visier der amerikanischen Kartellwächter: Diese warfen ihm 1934, unter der Regierung von Roosevelt, Monopolbildung vor. Er musste daraufhin das Unternehmen in die Firmen Boeing Airplane Company,United Airlines und United Aircraft Company aufteilen, die ab diesem Zeitpunkt unabhängig voneinander operieren sollten.

Boeing hatte es geschafft, aus seiner Leidenschaft für Flugzeuge und das Fliegen ein einträgliches Geschäft zu machen. Doch diese Anklage zerstörte seine Visionen. William Edward Boeing zog sich enttäuscht von der Regierung von der Führung seiner Unternehmen zurück, obwohl er erst 53 Jahre alt war. Lediglich während des zweiten Weltkrieges kehrte Boeing als Berater in die Firmen zurück.

Stattdessen beschäftigte er sich mit der Zucht von Pferden und Immobiliengeschäften. Am 28. September 1956 verstarb er an Bord seines Schiffes an einem Herzinfarkt.

Florierendes Unternehmen

William Edward Boeing verstand es, aus seiner Begeisterung für das Fliegen ein florierendes Unternehmen zu machen. Seine größte Begabung bestand allerdings nicht in seinem Geschäftssinn, sondern darin, für seine Firmen die richtigen Techniker und Ingenieure zu finden und zu begeistern, wie beispielsweise den Schiffsingenieur Westervelt.

Boeing selbst motivierte und inspirierte die Menschen, mit denen er arbeitete, so dass er schließlich mit deren Hilfe das größte Unternehmen der Welt im Bereich der Luftfahrt aufbauen konnte. Vor seinem Tod erlebte William Edward Boeing noch den Bau des ersten zivilen Passagierjets.

Die Firmen, die Boeing gegründet hatte, gehören noch heute zu den weltgrößten Luftfahrtsunternehmen: Boeing Airplane Company ist neben dem europäischem Airbus der bedeutendste Hersteller von Flugzeugen und United Airlines ist die Fluggesellschaft mit den meisten Passagierkilometern auf der Welt.


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