Carl von Linde

“Das Einzige, was ich der höheren Befriedigung einer wissenschaftlichen Thätigkeit im Verkehr mit hochstrebenden und productiven Männern an die Seite stelle, das ist das eigene Producieren im eigenen Berufsgebiete.“ Carl von Linde in einem Brief an den Göttinger Mathematiker Felix Klein, 1895







Carl von Linde wurde am 11. Juni 1842 in Berndorf, Oberfranken, geboren. Er wurde ein Pionier der Kältetechnik, einer der erfolgreichsten Ingenieurunternehmer und der Mitbegründer der heutigen Linde AG.

Das Fundament für eine damals neue Industriebranche – die Kältetechnik – legte Carl von Linde als Professor an der Technischen Hochschule in München, auf dem Forschungsgebiet der Kältetechnik.
Die Teilnahme an einem Preisausschreiben für Hochschullehrer erweckte v. Lindes Ehrgeiz und Neugier als Forscher. Das Ziel des Ausschreibens war die Entwicklung einer Kühlanlage zum Auskristallisieren von Paraffin.
Nach ersten Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung seiner Entwürfe, entwickelte v. Linde im dritten Anlauf eine Kältemaschine, die im Preis-Leistungsverhältnis auf dem Markt dominierte und lange Zeit der Standardtyp für Lindes Kompressoren war.

Linde: Interesse der Brauer

Seine Erfindungen und Leistungen erweckten vor allem bei den Brauern großes Interesse, die für die Gärung und Lagerung des Bieres auf einen optimalen und verlässlichen Kältebetrieb angewiesen waren. In Brauereien wurde seine Arbeit auch in die Praxis umgesetzt und erprobt. Da in warmen Wintern das Natureis nicht ausreichte, um für eine optimale Kühlung des Bieres zu sorgen, bestellten immer mehr Brauern v. Lindes Eismaschinen und Kälteanlagen und wurden damit zu den ersten und treuen Kunden.

Die Linde AG

Nachdem bereits 20 v. Lindes Kälteanlagen europaweit in Brauereien eingesetzt wurden,  beschloss er 1879 seine Professur aufzugeben und den Schritt ins Unternehmertum zu wagen. Von nun an konzentrierte er seine ganze Energie auf die mit anderen gegründete Linde`s Eismaschinen AG, die heutige Linde AG.
Die Anfänge des Unternehmens waren zuerst mäßig. Im Laufe der Jahre etablierte sich das Unternehmen und nahm auf dem kältetechnischen Gebiet europaweit eine führende Stellung ein.
Im Laufe der Zeit dehnten sich die Absatzmärkte deutlich aus, neben Kühlanlagen für Brauereien wurden unter anderem auch Kühl- und Gefrieranlagen für Schiffe und Eisenbahnwagons, Kältemaschinenanlagen für Schlachthöfe sowie Kühlanlagen für Bergwerke und künstliche Eisbahnen zum Schlittschuhlaufen produziert. Weitere Einsatzgebiete waren Verfahren für die Rübenentzuckerung, Milchkühlung in Molkereien und die Kühlung in Schokoladenfabriken.

Linde als Forscher

1894 begann v. Linde seine Arbeit in der Entwicklung einer ersten Luftverflüssigungsmaschine, mit dem Ziel die flüssige Luft beim Wiederverdampfen in ihre Bestandteile zu zerlegen. Das hieraus begründete Linde-Verfahren zur Gasverflüssigung hatte sowohl in der chemischen Industrie einen hohen Potentialwert, als auch in der Forschung, denn es ermöglichte die ersten Tieftemperaturuntersuchungen in der Physik.

Carl v. Linde war als Forscher sehr vielfältig engagiert. Er war Mitglied in mehreren wissenschaftlichen und technischen Vereinigungen und erhielt drei Ehrendoktorwürden. Als erstem Preisträger wurde ihm die höchste naturwissenschaftlich-technische Auszeichnung, der Werner-von-Siemens-Ring, verliehen. Mit der Auszeichnung mit dem Bayerischen Verdienstorden wurde  v. Linde in den persönlichen Adelsstand erhoben.
Nach seinem 68en Lebensjahr zog sich v. Linde immer mehr aus dem Unternehmen zurück, übte jedoch bis zu seinem Tod eine Aufsichts- und Beratungstätigkeit aus.

Carl von Linde starb mit 92 Jahren am 16. November des Jahres 1934 in München. Das von ihm gegründete Unternehmen übernahmen seine Söhne, Friedrich und Richard sowie sein Schwiegersohn, Rudolf Wucherer.
Die Linde AG ist bis heute ein erfolgreicher, internationaler Konzern mit Branchen in Gas, Anlagenbau und Fördertechnik.

Bildquelle: The Linde Group

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